Gerrit Rietveld bei Markanto

Ausstellung: The early years

Vor 100 Jahren entwarf der niederländische Architekt Gerrit Rietveld mit dem Red and Blue Chair eines der wichtigsten Möbel des 20. Jahrhunderts. Als Mitglied der Künstlergruppe De Stijl, zu der u.a. Piet Mondrian, Vilmos Huszár und Theo van Doesburg zählten, setzte Rietveld die De Stijl-Kompositionen konsequent als Möbel oder in der Architektur um.

 

De Stijl und Gerrit Rietveld

1917 wurde in der niederländischen Stadt Leiden die Gruppe De Stijl von verschiedenen Künstlern, Architekten und Designern gegründet. Gründungsmitglieder waren Theo van Doesburg, Piet Mondrian, Georges Vantongerloo, Robert van‘t Hoff, J. J. P. Oud, Jan Wils, Vilmos Huszár, Bart van der Leck sowie der Dichter Antony Kok. In den ersten Jahren änderte sich die Gruppe stetig, neue Mitglieder kamen hinzu, verschiedene Gründungsmitglieder verließen die Künstlervereinigung. Mittelpunkt von De Stijl wurden dabei der Maler und Kunsttheoretiker Theo van Doesburg sowie Piet Mondrian, der mit seinen abstrakten Gemälden die typische Bildsprache der Künstlergruppe schuf. 1918 wurde der aus Utrecht stammende Architekt Gerrit Rietveld Mitglied der Gruppe, er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre Kontakt zu De Stijl Mitgliedern. Im gleichen Jahr veröffentlichte die Gruppe ihr ideologisches Manifest, in dem sie sich auf die Prinzipien des Dualismus festlegte und sich künstlerisch zum Purismus bekannte. Ein wichtiges Sprachrohr bildete dabei die gleichnamige, von Theo van Doesburg herausgegebene Zeitschrift De Stijl, von der wir während der Ausstellung ein historisches Exemplar zeigen.

Der Rood-blauwe Stoel (Red and Blue Chair) und Militärtisch (Military Table)

Um 1917 erhielt Rietveld den Auftrag, für ein Haus des Architekten Robert van‘t Hoff Möbel zu entwerfen, die sich an der Formsprache von Frank Lloyd Wright orientieren. Dabei entwickelte er erste Grundformen für seine Möbel aus Vierkanthölzern mit Sitz- und Rückenflächen aus Brettern. Rietveld verband dabei die Vierkanthölzer durch nicht sichtbare Dübel in vorgebohrte Löcher. Lediglich bei den Sitz- und Rückenflächen setzte er je nach Möbel teilweise Schrauben ein. 1918 entstand der Prototyp des Red and Blue Chair sowie die Grundform des sogenannten Military Table. Diese ersten Versionen verfügten jedoch noch nicht über die typische De Stijl Farbgebung, sondern waren weiß lackiert oder sogar unbehandelt. Im Laufe der nächsten Jahre variierte Rietveld seinen Entwurf, der Red and Blue Chair wurde in seiner Schreinerei in verschiedenen Versionen gebaut und in unterschiedlichen Farbkompositionen geliefert. So entstand um 1920 für das Haus des Lehrers Michel Zeilmaker in Utrecht eine Variante mit grün-schwarzer Farbgebung, die 2015 von Cassina neu aufgelegt wurde. Die heute bekannteste Farbgebung in den typischen De Stijl Farben entstand dagegen im Jahr 1923. Um 1919 wurde der Red and Blue Chair erstmalig in der Zeitschrift De Stijl vorgestellt. In den nächsten Jahren sollte Rietveld noch ähnliche dieser revolutionären Möbel aus Vierkant- oder Rundhölzern entwerfen.

 

Berliner Stuhl (Berlin Chair)

Für die große Kunstausstellung „Juryfreie Kunstschau” in Berlin entwarf Gerrit Rietveld 1923 den Berliner Stuhl. Hierbei finden sich zwei neue Elemente in Rietvelds Werk wieder: die Asymmetrie und die Komposition von Flächen. Auch bietet der Stuhl im  Vergleich zu anderen Entwürfen keine axiale Geometrie. Die weiß-grau-schwarze Farbkomposition ist dabei sehr zurückhaltend. Der skulpturale Stuhl war das einzige Möbel in der von Gerrit Rietveld und Vilmos Husár entworfenen Raumkomposition mit sechs Wänden. Den Berliner Stuhl setzte der Architekt ein Jahr später dann im Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht ein. Dieses, heute zum  Weltkulturerbe der UNESCO zählende Gebäude, gilt als das wichtigste Bauwerk der De Stijl-Bewegung. Die kubische, asymmetrische Form, verbunden mit den typischen De Stijl-Farben, zeichnen die einmalige Architektur aus.

 

Militärstuhl (Military Chair) und Militärhocker (Military Stool)

1923 erhielt Rietveld auch den Auftrag, Möbel für das katholische Militäraltersheim in Utrecht anzufertigen. Hierfür entwarf er den gleichnamigen Stuhl und einen Hocker. Den passenden Tisch dazu entwickelte der Architekt und Entwerfer bereits 1918. Diese Möbelserie zeichnet sich durch die farbig abgesetzten Verstrebungsenden der Vierkanthölzer aus. Formal gilt dieser Entwurf neben dem Red and Blue Chair als die gelungenste Umsetzung des De Stijl Prinzips – ein dreidimensionales Mondrian Gemälde. Wie bei vielen seiner Entwürfe verwendete Rietveld für die sogenannten Militärmöbel unterschiedliche Farbkompositionen.

 

Die Markanto-Edition der Militärmöbel

Basierend auf einem historischen Exemplar aus den 1920er Jahren hat Markanto zusammen mit Rietveld Originals und der Zustimmung der Rietveld Stiftung eine dieser Farbkompositionen neu aufgelegt. Dabei sind die Möbel komplett in grau gehalten, nur die Verstrebungsenden sind gelb abgesetzt. Im Rahmen der Passagen 2018 wird diese Sitzgruppe nun erstmalig nach fast 100 Jahren wieder präsentiert:

Ort: Markanto Depot, Mainzer Straße 26, 50678 Köln
Datum: 15. bis 21. Januar 2018
Öffnungszeiten: Mo – Fr 14.00 bis 19.00 Uhr, Sa und So 11.00 bis 16.00 Uhr
Vernissage: 17.01.2018 ab 19.00 Uhr (Passagen Cocktail)

 

Bereits seit 2006 handelt Markanto mit Rietveld Objekten und war lange Zeit der einzige Händler der Rietveld Kollektion in Deutschland. Hierbei arbeiteten wir eng mit Gerrit Rietvelds Enkelsöhnen zusammen. Ziel war es, aufzuzeigen, dass Rietveld mehr als nur den Red and Blue Chair oder den Zig Zag Chair entworfen hat. Denn Rietvelds OEuvre umfasst über 200 Möbelentwürfe, 200 Architekturpläne sowie 240 Designs für andere Objekte.

 

Markanto Depot
Mainzer Straße 26
50678 Köln