Kölnisches Stadtmuseum – Konrad der Große

Kölner Zeitgenossen, Wachsfarbengemälde von Heinrich Hoerle, 1932. Dargestellte Personen (v.l.): Willi Ostermann, Konrad Adenauer, Trude Alex(-Hoerle), Hein Domgörgen und Heinrich Hoerle selbst (Kölnisches Stadtmuseum/Foto: Rheinisches Bildarchiv, Wolfgang F. Meier)

Vom 1. Juli bis 19. November

Köln in der Adenauerzeit: eine Stadt, die sich permanent veränderte. Eine Zeit, die den Namen eines besonderen Politikers trägt.
Am 18. Oktober 1917 trat Konrad Adenauer sein Amt als Kölner Oberbürgermeister an. Wie kaum ein anderer prägte er von diesem Zeitpunkt an bis zu seiner Absetzung durch die Nationalsozialisten 1933 die Geschicke der Stadt.

Zum 100. Jahrestag widmet das Kölnische Stadtmuseum diesem besonderen Stadtvater eine bemerkenswerte Sonderausstellung: »Konrad der Große. Die Adenauerzeit in Köln 1917-1933«. Mit eindrucksvollen, teilweise noch nie gezeigten Objekten, Fotografien, Kunstwerken, Plakaten und Filmausschnitten lässt sie eine Zeit voller Umbrüche und Neuanfänge wiederauferstehen.

Vom Kaiserreich zur Weimarer Republik
Bei Konrad Adenauers Amtseinsetzung, im Oktober 1917, herrschte in Berlin noch der Kaiser. Im November 1918 war der Erste Weltkrieg verloren und die Monarchie am Ende. Kurz darauf zogen britische Besatzungstruppen in Köln ein. Wie in vielen anderen Städten ergriff in Köln ein Arbeiter- und Soldatenrat die Macht. Rheinisch-pragmatisch wählte man den amtierenden Oberbürgermeister an dessen Spitze. Zusammen mit dem SPD-Vorsitzenden Wilhelm Sollmann gelang es Adenauer, den Umsturz in friedliche Bahnen zu lenken. Auch in Köln galt nun die neue demokratische Reichsverfassung. Frauen beka-men erstmals das Wahlrecht – und Zugang zum Stadtrat sowie zur 1919 wiederbegründe-ten Universität.

Eine neue Stadt
Das Stadtbild änderte sich rasant: Die preußischen Forts waren durch die Entmilitarisie-rung nutzlos geworden, hier entstanden der Innere und Äußere Grüngürtel als grüne Lun-ge der Stadt. In Müngersdorf wurde ein Sportpark mit einem zentralen Stadion für 80.000 Besucher errichtet – und Köln zur Sport-Stadt ersten Ranges und Austragungsort zahlrei-cher sportlicher Großevents. Die 1924 eröffnete Messe in Deutz erhob Köln zur bedeu-tenden Messestadt, der Flughafen Butzweilerhof entwickelte sich nach Abzug der Briten zum wichtigsten westdeutschen Zivilflughafen. Mit dem Hansahochhaus besaß die Domstadt 1925 das höchste Haus Europas. Zwischen Mülheim und Riehl wurde die Mül-heimer Brücke gebaut. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Großprojekte war in vielem dem persönlichen Engagement Adenauers zu verdanken. Dies galt auch für die Nieder-lassung der Fordwerke 1930 oder den Bau der Autokraftstraße nach Bonn. Viele der da-mals auf den Weg gebrachten Projekte geben der Stadt noch heute ihr Gesicht.

Progressive Kunst
Bewegung kennzeichnete auch die Kunstszene: Köln wurde durch Max Ernst und Hans Arp zu einem Zentrum der Dadaisten. Politisch engagierte Künstler und Künstlerinnen wie Franz W. Seiwert, Heinrich Hoerle, Anton Räderscheidt und Marta Hegemann gründeten immer wieder neue Künstlergruppen, u.a. die „Gruppe der progressiven Künstler“. Sie wollten nicht nur die Kunst revolutionieren, sondern auch die Gesellschaft.

Ein vielschichtiger Blick zurück
Die Ausstellung bietet ein Kaleidoskop dieser bewegten Jahre zwischen 1917 und 1933. Im Fokus steht nicht nur die Person Konrad Adenauers, sondern zugleich Alltag, Kultur, Politik, Wirtschaft, Sport und Mode im Köln der Weimarer Republik. Eindrucksvolle Bei-spiele der damaligen progressiven und modernen Kunst nehmen die Betrachter mit auf eine Zeitreise in eine außergewöhnlich lebendige Kunstszene.

»Ein wichtiger und inspirierender Blick zurück«, so Susanne Laugwitz-Aulbach, Beigeord-nete für Kunst und Kultur, über die Ausstellung, die von ihr am Freitag, 30. Juni 2017, 19 Uhr, eröffnet wird. »Universität, Grüngürtel, Messe, Ford, Autobahn – all das sind Meilen-steine, die unsere Stadt noch heute prägen. Auch in der Kunst tat sich damals Erstaunli-ches.«

Ein abwechslungsreiches Begleitprogramm ergänzt die Ausstellung. Das Veranstaltungs-angebot reicht von Abendführungen und Direktorenführung über Exkursionen bis hin zu Musikführungen, einem Wissensdurstig-Event und einem Instawalk.

Begleitband
Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Begleitband erschienen:
Rita Wagner (Hrsg.), Konrad der Große. Die Adenauerzeit in Köln 1917–1933. Mainz 2017 (Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH).
Begleitband und Ausstellung werden unterstützt von der Kölner Kulturstiftung der Kreis-sparkasse Köln und den Freunden des Kölnischen Stadtmuseums e.V.

Kölnisches Stadtmuseum
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